Gedankenausflug: Disclaimer

Dieses Blog befindet sich, nach unbeholfenen ersten Schritten im letzten Jahr und einem darauffolgenden langen Winterschlaf, seit kurzem im Aufbau. Deshalb stellte sich mir heute die Frage, ob ich nicht einen sogenannten „Disclaimer“ verfassen sollte. Bitte alle zusammen: „Das hättest du aber schon lange tun sollen!“ ….danke.

Nun, ich bin bei solchen Dingen gerne skeptisch. Da gibt es zum Beispiel die allseits beliebten „©“-Zeichen. In der Schweiz haben sie keinen rechtlichen Einfluss auf den Urheberschutz, dennoch werfen Firmen damit um sich. Man verspricht sich dabei wohl eher psychologische Effekte der Abschreckung und Erziehung, was durchaus funktionieren könnte: In der Zeit meiner Kindheit war es in der Schule Gang und Gäbe, dass wir unter jeden Aufsatz ein grosses „© by …“ malten. Früherziehung zum paranoiden Urheberrechtsadvokaten, wenn man so will. Da kritisches Denken im vorherrschenden Verständnis von Schulen irgendwo zwischen Aufmerksamkeitsstörung und Brandstiftung angesiedelt ist, bleiben solche Dinge ja unkommentiert. Es gleicht aus dieser Sicht einem Wunder, und macht Hoffnung, dass Menschen – der Schule zum Trotz – genug intellektuelle Selbständigkeit entwickeln können, um sich gegen ACTA & Co. zur Wehr zu setzen.

Nach etwa zehn Sekunden gedanklicher Abschweifung stand also fest, dass die Disclaimer-Frage vertagt werden würde – Etikett: Hinten anstellen, da zu unwichtig. Aber eines würde mich interessieren: Disclaimer haben üblicherweise die Form „Die Inhalte dieser Seite geben einzig die Meinung der Autorin/des Autors wieder …etc“. Wie müsste nun dementsprechend der Disclaimer von Websiten gewisser religiöser Organisationen, zum Beispiel jene des Vatikan, aussehen? Etwa: „Die Inhalte dieser Website geben die Meinung des Erschaffers unseres Universums wieder und sind deshalb unumstössliche, absolute Wahrheiten. Abweichler erwartet ewige Bestrafung.“? Damit erübrigt sich das Einrichten einer Kommentarfunktion und ihre Moderation für solche Seiten wohl auch, so hat der Papst mehr Zeit für’s Roben-Shopping, oder was auch immer Päpste den Tag über tun. Doch ich werde nicht auf der Vatikan-Website nachschauen, ob das stimmt – Etikett: Vergessen, da zu unwichtig.

DISCLAIMER: Zum Glück sind nicht alle Religionen so. Bitteschön.

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Über siebenundvierzig

Intellektuelle Selbstverteidigung: https://siebenundvierzig.wordpress.com/
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